Mittwoch, 27. Juni 2012

Verloren auf der Suche nach Alison Bechdels "Are You My Mother?"

Es ist schon länger her, dass ich auf Twitter verhalten über das Comic vermerkte:

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are-you-my-motherAre You My Mother?: A Comic Drama
Autorin: Alison Bechdel
Gebundene Ausgabe: 286 Seiten
Verlag: Houghton Mifflin (Mai 2012)
Sprache: Englisch




Alison Bechdel war für mich immer als Autorin gut, die witzige Comics (Dykes to watch out for) zeichnete, aber auch tiefsinnige Comics (Fun Home) machen konnte. Deshalb wunderte es mich, wie schwer mir das Lesen des Comics "Are You My Mother?" fiel.
Gleich zu Beginn der Lektüre fiel mir auf, dass das Comic nicht in einer zeitlichen Linie erzählt wurde. Es hatte sehr viele Zeitsprünge: Kindheit, Gegenwart, weitere Vergangenheit, kürzere Vergangenheit - hin und zurück und wieder da. Zusätzlich tauchen viele Personen auf. Zwar gibt Bechdel bereits am Anfang des Comics >Eine kleine Übersicht, aber das Chaos bleibt dennoch:
  • Da gibt es einen über allem thematisch schwebenden Kinder-Therapeuten Winnicott.
  • Auch Freuds Ideen tauchen auf.
  • Es gibt einige Therapeutinnen, die wichtigsten haben Namen: Jocelyn und Carol. Dennoch durch das hin und her in den Zeitsprüngen und den nicht immer eindeutig benannten Figuren in den Zeichnungen, war ich mir manchmal nicht mehr sicher, welche Therapeutin vor Alison saß.
  • Süß finde ich die Beschreibung ihrer Beziehungen als "romantic attachments" (romantische Anhänge): einige werden nur mit einem Buchstaben gekennzeichnet, andere benannt - Eloise, Amy und Holly.
Ja, Therapie und Therapeutinnen sind ein großes Thema im Comic: Ich las viel über Donald Winnicott, sein Leben und sein Lebenswerk, das sich um Kinderpsychologie drehte. Und las Zitate aus Alice Millers Buch Das Drama des begabten Kindes.

Mit Virginia Woolfs "To the Lighthouse" wurde das Verhältnis von Eltern zu Kindern respektive erwachsenen Kindern zu ihren Eltern auf die Literaturebene gespiegelt. Weiter gespiegelt wurde die von der Tochter verehrte große Autorin Virginia Woolf in Sylvia Plath, eine Autorin, über die Alisons Mutter gerne rezensiert hätte. Ja, Spiegelungen psychologischer Natur sind ein wichtiges Thema im Comic.

Kurz, um es mit Laura Miller zu sagen, mir erging es genau so:
There's a bit too much therapy in Are You My Mother?. Psychology boils away the particulars of individual experience to arrive at abstract generalities. It may get at the same truths that art does, but the trip isn't nearly as much fun.

Laura Miller auf The Guardian: Are You My Mother? by Alison Bechdel – review. A furiously literary memoir from the 'lesbian Woody Allen'
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Muss "Fun Home" zuvor gelesen werden? Viele Rezensierende erzählen davon, dass "Are You My Mother?" ein Sequel von "Fun Home" sei. Mein Gefühl beim Lesen war, nein, "Fun Home" muss nicht wirklich vorher gelesen werden. Es ist spannend zu lesen, welche Auswirkung Alisons Schreiben von "Fun Home" auf die Dynamik von Mutter und Tochter hat.
Und vielleicht ist es spannend, "Fun Home" zuvor zu lesen, weil es so gänzlich anders ist als "Are You My Mother?". Denn:
In "Fun Home" ist die Hauptperson, um die es geht, bereits tot.
In "Are You My Mother?" interagiert noch alles. Es wird erklärt, beschrieben wie die Beziehungen, die Metaebene seien. Deshalb ist Katie Roiphe auch der Meinung:
This is, as Bechdel’s mother says, a “metabook.” But unlike most metabooks it isn’t tiring or draining; it’s exhilarating.

Quelle: KATIE ROIPHE auf The New York Times Drawn Together
Roiphe ist der Meinung, dass diese Metaebenen eben nicht ermüdend (tiring) seien.
Hm. Ich kann dem nicht so ohne Weiteres zustimmen. Derzeit fühle ich mich mit dem Inhalt eher auf verlorenem Posten bei der Suche nach einem mich gut unterhaltendem Comic. Mir war es zuviel Psycho...
Dennoch, die Chance mich zu berauschen (exhilarate) gebe ich dem Comic noch, wenn es auf deutsch herauskommen wird...


Weitere Infos
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Der Titel von Alison Bechdels neuestem Comic nimmt Anleihen an einem Kinderbuch. Für die, die ich es nicht kennen, hier wird das Kinderbuch "Are You My Mother?" geschrieben von P.D Eastman vorgelesen von Beverly Berwick:

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