Dienstag, 31. Juli 2012

Meine Urlaubslektüre: Drei Comics, die über den Nahen Osten berichten

Für mich ersetzen Comics vorzüglich persönliche Reiseerfahrungen. Dieses Jahr verschlug es mich in den nahen Osten und ich fand drei Comics, die darüber berichten:

Palästina CoverPalästina
Joe Sacco (Autor)
Waltraud Götting (Übersetzerin)
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek;
Auflage: 1 (12. März 2011)
Sprache: Deutsch

Ich las das Comic als letztes von den dreien. Auch weil der Zeichenstil in schwarz-weiß mich erstmals davon fernhielt. Stellte aber schnell bei der Lektüre fest, dass die überzogene Abstraktion absolut zum Thema passte.

Sacco schreibt im Vorwort zur o.g. Ausgabe, dass er im Winter 1991/1992 für etwa zweieinhalb Monate nach Israel und die besetzten Gebiete reiste. Im Comic ist nachzuvollziehen, wie er diverse Kontakte vor Ort nutzte, die ihm einerseits als Übersetzer dienten, die ihm aber auch ein Obdacht während des Aufenthalts, die er für die Interviews brauchte, boten.

Ich stellte mir während des Lesens immer mal wieder die Frage, ob sich schon etwas an der Situation in Palästina geändert habe... Nun, ich durfte die Tage feststellen, dass das Comic von 1993 immer noch zu Teilen aktuell ist.

israel-verstehenIsrael verstehen - in 60 Tagen oder weniger
Sarah Glidden (Autorin)
Gerline Althoff (Übersetzerin)
Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
Verlag: Panini Manga und Comic;
Auflage: 1 (21. Juni 2011)
Sprache: Deutsch

Ich las das Comic als erstes von den dreien. Die Zeichnungen sind sehr gefällig. Die Farbgebung lässt die Leserin ein Gefühl für die Umgebung bekommen.

Glidden nimmt uns im Comic mit auf ihre Birthright-Tour über die Golanhöhen, Kinneret oder See Genezareth, Tel Aviv, in die Wüste und nach Jerusalem. Von so einer besonderen Tour für junge Jüdinnen und Juden hatte ich noch nie gehört. Hier gibt es noch eine Beschreibung Gratis ins Gelobte Land zur Tour.
Es gibt pro und cons zur Tour. Ich hatte beim Lesen des Comics nicht den Eindruck, dass Glidden einseitig alles annimmt, was während der Tour von der Reiseleitung vorgetragen wurde.
Das Comic ist 2009/2010 entstanden - wenn ich so mal mutmaße. Glidden schreibt als Anmerkung im Comic, dass es auf jeden Fall erst nach ihrer Reise entstanden ist.
Zusätzlich gut gefallen hat mir das Glossar, die Bibliographie sowie die Zeitachse zur Geschichte Israels, die hinten im Comic angefügt sind. Gibt ein bisschen Orientierung bei all den unterschiedlichen Bezeichnungen und historischen Vorgaben.

jerusalemAufzeichnungen aus Jerusalem
Guy Delisle (Autor)
Martin Budde (Übersetzer)
Broschiert: 336 Seiten
Verlag: Reprodukt;
Auflage: 1 (15. März 2012)
Sprache: Deutsch

Dieses Comic las ich als zweites von den dreien. Die Zeichnungen sind einfach, abstrakt und immer wieder gut getroffen. Es gibt keine Coloration. Guy Delisle besondere Rolle im Comic ist die eines begleitenden Ehemanns seiner Frau, die für ein Jahr im Ausland als Sachbearbeiterin für eine Hilfsorganisation arbeitet. Er kümmert sich um den Haushalt während des Aufenthalts im muslimischen Teil von Jerusalem und die beiden Kinder. Gleichzeitig ist er immer mal mit Ausflügen unterwegs.
Bei seinen Geschichten musste ich häufiger schmunzeln, über die Merkwürdigkeiten des Lebens in Israel und insbesondere in Jerusalem. Wobei nach dem Schmunzeln das Aha-Moment auftaucht und ein Kopfschütteln, dass es so sein muss. Delisles Abstand (er ist religionslos und Kanadier) macht das Beobachten des Lebens im Land möglich.
Ich nehme an, das Comic ist 2011 entstanden.

* * *


Warum bemühe ich mich jeweils, die Entstehungszeit herauszufinden? Alle drei Comics sind persönliche Darstellungen von Comic-Kunstschaffenden. Es werden "Land und Leute" beschrieben, etwas, was sich im Laufe der Zeit auch verändern kann. Von daher finde ich, ist es wichtig zu wissen, wann das Comic entstanden ist. Nur Joe Sacco berichtete in seinem Vorwort von seinen Reiseplanungen.

* * *


Ansonsten hat mir bei allen drei Comic-Varianten die persönliche Sicht gefallen. Die Art und Weise des Erzählens ist bei allen drei Comics sehr ähnlich: Kapitel, die besondere Punkte kennzeichneten.

* * *


Alle drei Comics werden mich bestimmt wieder in den Nahen Osten entführen, denn sie sind sehr amüsant, kurzweilig und informativ.

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