Montag, 7. Oktober 2013

Ausstellungeröffnung "Außer Kontrolle? Leben in einer überwachten Welt"


Am Dienstag, den 01.10.2013 besuchte ich die Eröffnung der Ausstellung "Außer Kontrolle? Leben in einer überwachten Welt" im Museum für Kommunikation in Frankfurt.
Wir wurden begrüßt durch den Direktor Dr. Helmut Gold bevor es mit der Podiumsdiskussion mit Constanze Kurz (Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin; Chaos Computer Club), Frank Gnegel (Abteilungsleiter Sammlungen/Projektleiter) und dem Kurator der Austellung Dr. Philipp Aumann weiter ging. Moderiert wurde die Diskuskion durch Karen Fuhrmann vom Hessischen Rundfunk.

Für die Ausstellung wäre der Fall Snowdon eine "gute Werbung" gewesen. Jedoch wurde mit der Planung der Ausstellung bereits im Jahr 2010 begonnen, als die Google-Street View in Deutschland Thema war. Viele wollten nicht, dass ihre Häuser auf Google gezeigt werden. Die Postprivacy-Diskussion nahm ihren Anlauf.

Gute Kontrolle, schlechte Kontrolle
Schon mit dem Kissen im Fenster fange die zwischenmenschliche Kontrolle an. Dies sei die analoge Form des sozialen Netzwerkes. Soziale Kontrolle würde gemacht, um Konsenz und sozialen Frieden herzustellen.
Jetzt gäbe es Überwachungstechnik, diverse Notrufsysteme für ältere Menschen, so dass Hilfe gerufen werden könne. Fraglich sei, wie gut diese Art der Kontrolle sei. Denn so müsse der Pflegedienst nicht mehr jeden Tag vorbeikommen.

Es gibt einen Markt!
Es sei eine Industrie entstanden, die nun den Bedarf braucht und auch weckt! Es wird gemacht, was technisch möglich ist. So gäbe es z.B. Wanzen auch für Privatanwender.
Mensch könne sich via GPS im Handy verfolgen lassen. Beim Online-Einkauf greife die angepasste Werbung, die für den User vorgeschlagen wird. Natürlich gab es auch im Emma-Laden Vorschläge, die persönlich überbracht wird. Schließlich geht es offline und online darum, zufriedene Kundschaft zu schaffen, damit diese wiederkomme. Jedoch ist der manipulative Charakter im Web nicht so offensichtlich. Im Web sehen nicht alle das gleiche. Kunden könne unterschiedliche Preise geboten werden.

Kritisch zu sehen sei, dass das Speichern von Daten aufwandlos sei. Auch können die Daten nun auch in anderen Zusammenhängen ausgewertet werden. Und so werden Daten auf dem digitalen Markt gewinnbringend verkauft.

Staat und Gesetzgebung
Es könne etwas Gutes an der Überwachung abgewonnen werden, wenn an die gewonnene Sicherheit gedacht würde. Aber die technische Entwicklung passiere gerade so schnell, so dass der Gesetzgeber nicht nachkomme. Auch gäbe es bereits 14 Urteile wegen verfassungswidriger Gesetzentwürfe diverser Kontrollfunktionen.
Auch gab der Staat nicht immer Anlass ihm zu vertrauen! Es fände Verfolgen auf Verdacht statt. Es gäbe präventive Überwachung. Teils geschiehe dies nach dem Heuhaufenprinzip, wie es ein NSA-Mitarbeiter darstellte, sie wollten das Wissen über den ganzen Heuhaufen haben, um an die Nadel zu kommen.

Vom Volk wird Transparenz verlangt, auf der anderen Seite würden Geheimdienste nicht überwacht.

Freiwilligkeit?
Oft findet Überwachung nicht freiwillig statt. Es wird Druck auf schwächere Mitglieder der Gesellschaft ausgeübt, um eine Einwilligung zu erhalten, z.B. oben genannte "Fern-Überwachung", um Kosten zu sparen.

Überwachung dürfe nicht heimlich passieren. Die schnelle Entwicklung der Technik führe jedoch dazu, dass soziale Konventionen sich (kaum) anpassen könne. Umstehende seien mitbetroffen und würden nicht gefragt. Zustimmen setze Kenntnis der Technik voraus.
Um zu verstehen, was da gerade passiere, müsse die Bequemlichkeit aufgeben werden. Dies würde ungern gemacht. Auch gäbe es eine Überforderung gegenüber der technischen Fülle.

Quintessenz der Ausstellung
Abschließend fragte die Moderatorin in die Runde, wozu das Erlebnis der Ausstellung führen soll. Die Antwort reichten von Bewusstsein schaffen über ein Zitat von Kant, Aufklärung sei der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten digitalen Unmündigkeit hin zu dem wichtigen Hinweis, dass auch mit der Geldbörse Entscheiden möglich sei.

Persönliches Resümee
Die Podiumsdiskussion brachte geballt die Information, die eine aufmerksame Surferin sich schon erarbeitet hatte. Mir persönlich hatte in der Diskussion sehr gefallen, dass die Moderatorin in ihrem Sprachgebrauch auch die Frauen miteinschloss.

Da mir zu viele Menschen anschließend die Ausstellung anschauen wollten, bin ich davon ferngeblieben. Konnte aber schon sehen, dass es nette Momente dort geben wird. Von daher ist mein nächster Besuch im Museum fest eingeplant.


Außer Kontrolle? Leben in einer überwachten Welt
vom 2. Oktober 2013 bis 23. Februar 2014
Museum für Kommunikation Frankfurt
Schaumainkai 53
60596 Frankfurt am Main Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9 – 18 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage 11 – 19 Uhr


Weitere Infos

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