Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mittwoch. Buchmesse Tag 1: kindlich, gewaltig, osmotisch

Okay, gestern war der erste Tag der Buchmesse. Fabelhafter Tag. Fing damit an, dass ich zu einer Umfrage eingeladen wurde, die mir dann zu lang vorkam. Komische Fragen darin, u.a. irgendwas zu einer Akademie, ob ich die kennen würde.
Nach dieser komischen Umfrage ging es famos und entspannt weiter. Ich schaut mich wieder im Comiczentrum um. Verwunderte mich wieder, dass die Bundesregierung einen Stand dort hat. Was mich daran so irritiert ist die Gleichsetzung: Regierung = Merkel = CDU. Weil, so sieht das dann aus. Es wird doch das gewählt, was mensch kennt. Naja.

Das Comic-Frühstück für Buchhändler und Bibliothekare - Comics und Manga für Kinder 2013
Die Veranstaltung bzgl.der Kindercomics und -mangas nahm ich mit, weil ich dann doch etwas früh vor Ort war. War letztendlich interessant, dieses Zusammenspiel von Verlag, Buchhandel und "Presse" zu erleben. Heraus kam, es wird eine Werbeaktion wie für die Erwachsenencomics (Was sind Graphic Novels) geben. Weil witziger Weise sind nun Comics (auch) für Erwachsene lesbar, aber die Kinder wurden unterwegs verloren. Und wer liest dann weiter die Comics, wenn durch die vielen neuartigen Medien kein Kind mehr gelernt hat, Comics zu lesen? Fand ich eine interessante Fragestellung.

Kiesgrubennacht - der Suhrkamp Verlag publiziert die neue Graphic Novel von Volker Reiche
Dann kam Volker Reiche mit seinem autobiografischen Comic "Kiesgrubennacht". Als er anfing, dass er durch die Hirnforschung das korrekte Erinnern in Frage stellte, hatte er mich schon eingenommen. Als er noch berichtete, dass er PC-Spiele spielte, war es um mich geschehen und ich wollte unbedingt das Comic erwerben. Natürlich fand ich es zusätzlich spannend, als er vom Reiz der Gewalt und den Versuch, sich abzugrenzen, sprach. Denn er ist ein Sohn der Täter. Er leitete es davon her, dass mit MAUS ein Comic entstanden ist, das von einem Sohn der Opfer erstellt worden ist. Hat mich auch beeindruckt, denn es ist selten, dass sich jemand in seinem Alter das so eindeutig traut. Weil sein Vater lebte noch lange nach Kriegsende in der Familie. Und da eine Position dazu zu finden, finde ich nicht leicht.
Diese Ambivalenz war bei diesem Vortag schön zu erfassen: Reiche spielt gerne Spiele, in denen Massen an Orks getötet werden müssen - natürlich nur aus Notwehr und der Vater, der verherrlichend den Massenmord der Nazis in Gedichtform presste, welches 1944 veröffentlicht wurde, und den Tod als ein natürliches Hilfsmittel ansah, um zu säubern (auch nach Kriegsende: der Käfig des Meerschweinchens stinkt, also wird schnell dem Meerschweinchen der Hals umgedreht - Problem gelöst). Es ist die Abgrenzung, die Konsequenz, die den Unterschied macht, ob Gewalt im Spiel eingesetzt wird oder mit Gewalt Massenmord verübt wird. Kein leichtes Thema, aber ein Leben, das davon erzählen kann.

Das Goethe-Institut Porto Alegre präsentiert das "Osmose"-Projekt
Bei dem Goethe-Institut-Projekt Osmose blieb ich eigentlich nur sitzen, weil danach der hessische Tim und Struppi kommen sollte. Aber im Rückblick kann ich sagen: Osmose war besser, das Hessisch hab ich aus der Ferne gehört, als ich beim Signiertermin war - es war grauenhaft. Die Veranstaltung war eine Lesung des Comics.
Okay, Thema Osmose. Der Titel entstand, nachdem das Ergebnis bereits vorhanden war. Es sollte ein Wort sein, dass nicht übersetzt werden muss und in beiden Sprachen dasselbe bedeutete und wirkte. Osmose. Mir war zuvor nicht so klar, dass das ein Wort ist, dass überall das Gleiche bedeutete.

Das Projekt war interessant: Brasilien und Deutschland, beides Diaspora-Länder, was Comics angeht - wobei die Szene in Deutschland schon etwas "weiter" sei. Drei Kunstschaffende aus dem jeweiligen Land besuchten das erste Mal das andere Land und berichten zeichnend darüber.
Der vorherrschende sich verkaufende Stil sei der amerikanische, meinte Paula Mastroberti, und sie sei durch das Projekt freudig überrascht gewesen, dass es auch anders geht. Dieses Erlebnis hätte sie im eigenen Wirken bestätigt und bestärkt. Sie habe in Berlin vor allem mit Redakteurinnen der Zeitschrift "Spring" zu tun gehabt. Die Zeitschrift hat Künstlerinnen als Thema. Dies auch, weil Künstlerinnen in der Comicszene etwas seltener seien. Die Moderatorin stellte darauf hin auch die Frage in den Raum, worauf hin Birgit Weyhe meinte, in Deutschland gäbe es so einige bekannte Comickünstlerinnen.

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