Mittwoch, 6. August 2014

Lesbisch für Anfängerinnen


Der Buchtitel hat es in sich. Als ich erzählte, was ich gerade lese, wurde ich gerne gefragt, ob es sich bei den Büchern um Selbsthilfebücher handeln würde. 

Nein, keine Selbsthilfebücher. 
Es sind Romane. 
Aber sie zeigen einen schönen Einblick in die Lesbenszene. Für Frau, die diese noch nicht kennt und noch etwas Berührungsängste hat, eine gute Art und Weise sich der Szene zu nähern.

"Lesbisch für Anfängerinnen" ist eine schöne Soap Opera aus der Lesbenszene in Buchform. Zur Buchreihe "Lesbisch für Anfängerinnen" ist unterdessen der dritte Teil "Damenwahl" herausgekommen.

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Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!

Ich habe den ersten Teil von Lesbisch für Anfängerinnen gelesen. Kann jetzt Hörbuch und Buch vergleichen. Beide sind okay.

Tina, eine Hetera, will sich Hals über Kopf von ihrem Freund trennen. Was heißt, sie will so schnell wie möglich aus der gemeinsamen Wohnung raus. Durch Zufall und ein Missverständnis - sie hielt das verschlungen dargestellte Frauenzeichen für ein Viele-Frauen-Zeichen - landet sie in einer Lesben-WG. Nach anfänglichen Vorbehalten auf beiden Seiten wächst sie in die WG und auch in die Lesben-Szene hinein. Dabei macht sie sich Gedanken, ob sie eventuell auch lesbisch sein könnte, weil sie immer mal wieder an diese Astrid denken muss.

Die Geschichte ist für mich keine Haute Cuisine, aber sie ist ein leckerer Eintopf: Einfach und alles ist drin.
Beim Lesen hatte ich immer Bilder von meinen Erlebnissen aus Frankfurt vor Augen. Okay, ein Lesbenkulturhaus haben wir nicht. Dafür ein Lesbischschwules Kulturhaus. Aber sonst kam mir alles so vertraut vor. Die Arbeit in Lesbenprojekten, in Lesbengruppen. Das Zusammentreffen der Lesben.

Was ich jedoch beim Lesen verrückt fand war, dass die Darstellung des Prickelns zwischen Tina und Astrid sehr bemüht herüber kam. Ich las mehr Erotik bei den Situationen mit Vera, eine Frau, die Tina auf ungewöhnliche Weise kennenlernte oder mit Susanne, eine Mitbewohnerin der WG. Gewollt ist halt nicht alles. Und vielleicht waren Tinas Gedanken zum Lesbischsein und ob sie nun Gefühle für Astrid haben könnte, nicht sehr hilfreich für die Leserin sich ins Geschehen einzulassen. Bei den anderen Frauen beschrieb die Autorin nur das Geschehen und kein weiter gehendes Nachgrübeln und das Vertrauen der Frauen untereinander war rauszulesen.

Mal sehen wie es sich weiter entwickelt. Hab ja noch Teil 2 als Hörbuch und Teil 3 als Buch vor mir.

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!
Celia Martin
Broschiert: 216 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 3 (August 2010)
Sprache: Deutsch
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Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küsse

Der zweite Teil lag mir nur als Hörbuch vor.
Tina macht gemeinsam mit Henriette von Lojewski, Inhaberin eines Cateringservice und Herausgeberin eines Luxusgourmentjournals eine Geschäftsreise nach Italien, um die Geheimnisse der italienischen Küche für einen Artikel zu recherchieren. Tina schnuppert noch neben ihrem eigentlichen Job in der Versicherung in diese neue kulinarische Branche. Es läuft alles gut beruflich. Privat hingegen gibt es Durcheinander: die Eltern trennen sich, die Mutter zieht bei ihr ein und lernt dadurch einen netten Nachbarn von Tina kennen, dessen Tochter nun auch noch lesbisch ist. Aber Tina hat ihr Coming Out vor ihrer Mutter noch vor sich und eine Freundin, die sie nun nicht nach Hause einladen kann. Dadurch fährt die Beziehung mit Astrid Achterbahn, da Astrids Ex sich nicht als Ex begreift. Auch gibt es Geheimnisse, die Astrid vor Tina verbirgt.

Es gibt also sehr viele Geheimnisse.
Noch mehr Annahmen.
Und die Frauen reden nicht miteinander.
Beim Anhören hoffte ich unentwegt, dass sich Tina und Astrid trennen. Wieder war mehr Erotik und Nähe zwischen Tina und diversen anderen weiblichen Charakteren zu spüren als bei diesen beiden.
Naja.

Hörbeispiel:


Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küssevon Celia Martin (Autorin), Christiane Marx (Erzählerin)
Spieldauer: 6 Stunden und 5 Minuten
Format: Hörbuch
Verlag: Butze Verlag

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Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl

Diesmal geht es kommunalpolitisch zu: Im Rahmen der Gentrifizierung soll ein Stadtteil neu gestaltet werden. Gerüchten nach soll das Frauenkulturhaus geschlossen, bestehende Wohnungen sollen wertvoller gemacht werden. Dazu müssen natürlich die alten Mieterinnen raus. Diese hätten eigentlich ein Recht, eine gewisse Zeit in Anspruch zu nehmen, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber es soll schneller gehen. Also werden Krachmacher in leere Wohnungen gesetzt, die das Wohnen im Haus reichlich ungemütlich machen. Dies trifft aus der Lesbenclique Käthe.

Aber nicht nur im Wohnbereich wird Käthe gebeutelt: die Ex von Käthe, die zusammen mit ihr das Frauenkulturhaus aufbaute, hat unterdessen Karriere gemacht und ist Kandidatin für eine Konservative Partei. Zu Zeiten mit Käthe setzte sie ihr Talent für das FKH ein – ein Projekt, das ihr sehr am Herzen lag. Nun "mauschelt" sie mit der Presse, um so in einem guten Licht für die kommende Wahl zu stehen. Gleichzeitig ist auch ihre Partei an diesem Wohnungsdingens beteiligt, so dass die Freundinnen alles daran setzen, in ihre Nähe zu kommen, um so etwas über die Zukunft des FKH zu erfahren. Hierzu ist es gut, dass Tina unterdessen Karriere im Bereich der Presse und Cateringservices machte.

Was haben wir noch für dieses Lesbisch für Anfängerinnen? Weniger Verwicklungen. Diesmal ist es klar, dass sie ohne Informationen nicht wissen können, was Sache ist. Und sie kämpfen für ihre Sache. Auch wenn hierfür ein Ausrutscher der Politikerin genutzt wird.

Gelernt habe ich von dem ungeschriebenem Gesetz der Lesben: Du outest keine Lesbe –- auch wenn sie deine politische Gegnerin ist.

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl
Celia Martin (Autorin)
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 1 (27. Juni 2014)
Sprache: Deutsch

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