Freitag, 1. Mai 2015

Erinnerungen an eine Lesbenaktivistin

Hanneliese ist jetzt fast schon 10 Jahre tot. Ich weiß nicht, wann sie genau verstorben ist. Ich weiß nicht, wann sie geboren wurde.
Geschichte kann nur von unseren tradierten Erinnerungen leben. Deshalb hier meine Erinnerung an diese engagierte Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Ich lernte Hanneliese 1987 aus den Augenwinkeln kennen. Ich hörte davon, dass sie die Frau war, die die Lesben-Ralley in der Dreieich-Region organisierte. Sie war auch Vermieterin eines Hauses:
Sie bemalten Geldscheine mit der doppelseitigen Axt. Einige sprachen von Kursen, die sie besucht hatten. Eine redete von Wohnungsvermietungen. Erst kam ein Mann. Schaute sich die Wohnung an, war mit allem einverstanden und stellte schüchtern die Frage: "Darf ich mit meinem Freund hier einziehen?" Kurz darauf kam eine Frau für eine andere Wohnung mit einer ähnlichen Frage. Und die alles erzählte, meinte: "Na, dann immer rein in die gute Stube."-"Wenn die wüßten, was die für eine Vermieterin kriegen!" sagte eine andere.
Quelle: Tagebucheintrag vom 25. Juli 1987 zum Besuch der Schönen Müllerin in Frankfurt am Main am 24.07.1987
Später traf ich sie wieder in der Mittwochsrunde, einem Lesbengesprächskreis in der Frankfurter Frauenschule. Ich war mit dabei, als wir, ca. 10 Frauen, uns am 30.04. und 29.05.1989 bei ihr Zuhause trafen, um über die Möglichkeit eines festen Lesbenortes und einen Frankfurter Lesben-Verein zu diskutieren. Im Mai 1989 rief sie mich an, ob ich mit ihr mit nach Bonn fahren wolle, um bei der BAG Lesbenpolitik der Grünen mitzumachen. Bei der BAG trafen sich viele Lesben, die in der Szene Rang und Namen hatten: Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, politisch Aktive.
Im November 1989 wurde der Verein LLL e.V. gegründet.
Das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in Frankfurt lag Hanneliese sehr am Herzen. Um politischen Druck zu machen, wurden immer wieder Aktionen gemacht. So auch am 07.10.1990 als die Vereine LLL e.V. und Emanzipation e.V. eine Soiree unter dem Titel "Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer" vor dem geplanten, zukünftigen LSKH veranstalteten.
Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer (Diashow, Dauer 3:06)
Album auf Flickr

Als der Ort für uns geschaffen war - das Kulturhaus konnte bezogen werden-, nutzte sie ihre Vernetzung, um z.B. mit Rednerinnen von der BAG Lesbenpolitik zu Veranstaltungen wie am 27.09.1991 "Ehe auch für Lesben? Rechte für lesbische Lebensgemeinschaften heute und morgen" einzuladen.
Da ich damals im Verein LLL e.V. ehrenamtlich mitarbeitete, kreuzten sich unsere Wege immer mal wieder.
Mein Lebensweg führte weg von LLL e.V.. Irgendwann verlor ich sie aus den Augen.
Aber sie gehört für mich immer zu den Frauen, die ich als Aktivistin für erinnerungswert erachte.

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