Montag, 19. Oktober 2015

Buchmesse Tag 4:
Im Netz zur Lesenacht

Der Samstag ist so ein bisschen mein Buchmesse-Angstgegner. Samstag wird die Teilnehmendeanzahl um das dreifache potenziert. Schon die Tage davor ist die Messe gut gefüllt. Am Wochenende sind plötzlich alle auf den Rolltreppen, den Eingängen, vor den Ständen. Deshalb muss es etwas ganz Großartiges sein, das mich auf das Messegelände lockt. Da ist die Abendveranstaltung im LSKH dann eher ein Heimspiel.

Zwischen Feuilleton und Haul.
Literaturrezensionen 2015

Ich schreibe Buch- und Comicrezensionen im Web. Das war mir Anlass genug, mir die tolle Veranstaltung mit den fünf Menschen (Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees) auszuwählen. Ich kann schon resümierend für die Veranstaltung sagen: es macht Sinn im Web zu rezensieren. Nur so können sich Lesende abseits der Literaturwerbung ein Bild von Buch, Comic etc. machen.
 v.l.n.r.: Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees

Es ist schön zu hören, dass das Netz den längeren Atem und längeren Nachklang im Gegensatz zu den anderen Medien habe, bei denen es Wellen gäbe: Mal ist das interessant und wichtig und mal etwas anderes. Im Netz dagegen könnten sogar Uralt-Sachen besprochen werden. Das geht bei den Traditionsmedien nicht.

Diesen Aspekt fand ich spannend: Journalisten würden versuchen, anhand des Buches eine eigene Geschichte zu erzählen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde von Felix Wegener Zettel verteilt. Er bat darauf zu notieren, welches Wort mit der Literaturkritik die einzelnen verbinden. Am Ende kam folgendes heraus: Jan Drees mag die Freiexemplare, die er als Rezensent bekommt. Okay, das ist nicht das Einzige. Weil einher mit den Exemplaren gehe die Verpflichtung zur Rezension. Nora Gomringer mag die Vielstimmigkeit durch das Web und weist darauf hin, wie wichtig auch die Übersetzungsarbeit ist. Sehr häufig würde ja nicht das Original, sondern die Übersetzung gelesen und die müsste ebenfalls literarische Kunst vorweisen. Stefan Mesch sieht sich als Vortester resp. Vorkoster: "Ich lese Bücher, damit ihr diese nicht lesen müsst."

 

Frauenbilder in den Netzmedien.
Orbanism-Dialog

Es gab drei Gründe, diese Veranstaltung zu wählen. Zwei Gründe sind schon im Titel der Veranstaltung enthalten: Frauen und Netz. Der dritte Grund ist Antje Schrupp. Okay. Es gibt in meinem Leben so ein paar Menschen, die können fast alles schreiben resp. sagen, ich kann dem zustimmen. Meistens. Einer ist Paul Watzlawick. (Okay. Ich bin ein Nerd.) Und der andere ist Antje Schrupp.

v.l.n.r.: Antje Schrupp und Christiane Frohmann
Und so konnte ich bei dem Dialog von Christiane Frohmann und Antje Schrupp immer nur bestätigend den Kopf nicken. Beide Frauen sagten so kluge Sachen, z.B. auch zu Selfies: Der Wunsch, sichtbar zu sein, sei ein guter. Es solle mehr Frauenbilder im Web geben, die Frauen selbst machten und einstellen. Das Frauenbild solle nicht den Medien überlassen werden. Es brauche viele Bilder, um das Durchschnittsbild zu erhalten. Und dann aber auch mal mit Absicht das unvorteilhafte Bilder einstellen, um eben nicht den Erwartungen zu entsprechen.

 

Lesbisch-schwule Lesenacht im LSKH

Das ist jetzt ein absolutes Novum, dass ich von diesem Ereignis berichten kann. Nach Jahren der Teilnahme an der Buchmesse brach ich in diesem Jahre das erste Mal meine Tradition der Abstinenz und besuchte meine erste Lesenacht. Und dabei war gleich alles ganz anders: statt im Erdgeschoss, fand die Lesung im ersten Obergeschoss statt. Dort ist die Akustik besser. Was an diesem Abend relativ war, aber darauf komme ich später zurück.
Es lasen folgende Autorinnen und Autoren:

Ina Steg: Alles nur Kulisse
Jan Stressenreuter: Haus voller Wolken
Regina Nössler: Endlich daheim (PDF)
Jannis Plastargias: RotZSchwul
Ulrike Helmer las für Mirjam Müntefering: ANDERS GEHT IMMER
Nach der Halbzeit stand für mich fest, dass ich mir womöglich *uijuijui* das erste Mal absichtlich ein Buch eines schwulen Autors kaufen werde. Der Inhalt von Jan Stressenreuters neuem Buch hat mich sehr berührt. Es geht darin um Alzheimer und was die Krankheit einer langjährigen Beziehung abverlangt.
Ein Büchertisch.
Abspann
Okay, warum war die Veranstaltung im 1. OG und warum war die dortige gute Akustik für mich relativ? Zeitgleich zur Lesenacht, war das Erdgeschoss des LSKH an eine Frau, die eine Geburtstagsfete mit Konzert schmiss, vermietet. Das Lustige dabei war, dass für den Toilettengang stets in den Partyraum runtergegangen werden musste. Macht nicht wirklich Spaß, diese Nebengeräusche bei der Lesung aushalten zu müssen. Deshalb bin ich dann zur Halbzeit der ansonsten sehr schönen Veranstaltung gegangen.

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