Mittwoch, 4. November 2015

Was ist, wenn James Bond nicht kann?
Dann gibt es immer noch Jane Bond!

Morgen ist der Kinostart von James Bond: Spectre. Meine Frau und ich mögen (dann doch) auch die James Bond-Filme. Dennoch machte ich mir immer so meine Gedanken zu: „Mein Name ist Bond. James Bond.“ Wieviel glücklicher würde mich die Phrase machen: „Mein Name ist Bond. JANE Bond!“ Deshalb wollte ich schon eine Geschichte über Jane Bond schreiben, um dann festzustellen, das hat schon eine getan und dazu noch recht amüsant: Mabel Maney.

Zum Inhalt

Das Buch spielt Mitte der 60er Jahre. Das Agentenleben ist nicht einfach. Wenn der Stress dich nicht umbringt, so zehrt er doch an deinem Gemütszustand bis zum Zusammenbruch. Genau das ist James Bond passiert. Er wurde ins Agenten-Sanatorium eingewiesen mit der Diagnose „homicidal depressive“ Paranoia, um sich zu erholen. Doch da gibt es ein Problem: in vier Tagen soll Bond die „Thanks Awfully medal“ aus den Händen der Queen erhalten und es gibt für die Königin keinen entschuldbaren Grund, wenn die ehrende Person nicht anwesend ist. Außer... die zu ehrende Person ist tot.

Hier tritt nun Agent Pumpernickel auf den Plan, der seinen Teil zu diesem Auftrag vor seiner Pensionierung erfüllen muss: Bonds Zwillingsschwester Jane muss überzeugt werden, dass sie für den Secret Service bei der Zeremonie vorgibt ihr Bruder zu sein und die Medaille für diesen entgegen nimmt.

Jane Bond ist eine von ihrer Freundin aus der gemeinsamen Wohnung herausgeworfene Buchhändlerin, die nun in ihrer Trauer jede Nacht eine andere Frau abschleppt. Mit keiner dieser Frauen, deren Namen sie sogleich wieder vergisst, wacht sie gemeinsam im Bett auf.

Einziger Trost sind kurze Unterhaltungen mit einer älteren Dame in dem heruntergekommenen Haus, in dem sie nun wohnt und die Gespräche mit ihrem gutem Freund, Simon Crispin, mit dem sie zusammen im Buchladen arbeitet.

Kurz bevor Pumpernickel Jane überzeugen kann ins Secret Service-Hauptquartier zu kommen, wird Jane von Bridget, einer der Frauen, die sie normalerweise gleich wieder vergessen hat, vor einer unschönen Situation mit ihrer Ex in einer Frauenbar gerettet.

Nachdem Jane überzeugt wurde, dass es sich um den Secret Service und um keinen Aprilscherz handelt, nimmt sie den Auftrag an und das Abenteuer beginnt.

Mein Leseerlebnis

Das Flair der 60er Jahre ist durchweg beim Lesen zu spüren, z.B. wenn Jane sich darüber noch nachträglich entrüstet, dass sie für ihre Ex drei Jahre lang die „Schwester“ spielen und im Rock gekleidet sein musste.
Apparently the good people of Ruslip had never seen a woman in trousers, and would die if forced to view such an unnatural sight. For three years, Jane had left the house wearing an ugly, itchy skirt, and changed into trousers once she arrived at the bookshop. Quelle: Kiss the girls and make them spy. An original Jane Bond Parody, S. 25
Die James Bond-Anspielungen schimmern immer wieder durch und brachten mich zum Schmunzeln. Für mich eine wunderschön gelungene Parodie auf den klassischten aller Heteroagenten, den es je gab. Dazu noch liebe, schön gezeichnete Charaktere. Da ist es eigentlich nur schade, dass das Buch nicht in deutsch vorliegt.


    
Kiss the girls and make them spy.
An original Jane Bond Parody

Von Mabel Maney
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Dey Street Books (3. Juli 2001)
Sprache: Englisch  








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Schmankerl-Nachtrag
Die Bücher von Ian Fleming, dem "Ingenieur des Konsumromans" (Umberto Eco) habe ich nie gelesen. Was wohl auch mein Schaden nicht sein wird, siehe z.B. taz.de Der selbstgerechte Knecht.
Im Gedenken an diese nicht gelesenen Bücher möchte ich eine faszinierende Stelle bei Maney zitieren, die andeutet, in welcher politischen Tonalität ihr Buch geschrieben ist. Im Buchladen, in dem Jane und Simon arbeiten und Jane - für die 60er Jahre ungewöhnlich - in Hosen gekleidet ist, betreuen sie auch eine Kundin, die ihre Bücher nicht selbst aussucht, sondern eine Vorauswahl an Titeln erhält.
Mrs. Snipe frowned even before she could read the titles. A reflex action, Jane supposed. "I shan't want the Virginia Woolf," she decided right away. "She's awfully anti-male, don't you think?" "I like her." Jane shrugged. Mrs. Snipe gave her a mean look. "Of course you do, dear." a.a.O., S. 23

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