Montag, 7. Dezember 2015

Lektorin des Ylva-Verlags zu Besuch im Lesbenliteratursalon

Sandra Gerth, Cheflektorin der
englischen Bücher im Ylva-Verlag
Am Sonntag, den 6. Dezember 2015 war Sandra Gerth, Cheflektorin der englischen Bücher des Ylva-Verlags zu Besuch im Lesbenliteratursalon. Gerth gewährte einen guten Einblick in die Funktionsweise eines jungen aufstrebenden Lesbenverlags.

Die Vorarbeit

Sandra  trifft die Vorauswahl, welche Manuskripte weiter zum Submissionboard gereicht werden oder wo an eine Autorin eine Absage zu schreiben ist. Dabei hilft ihr auch die Erfahrung, die sie als Psychologin gemacht hatte.

Lektorat

Die Arbeit im Lektorat beinhaltet 50% Manuskriptarbeit. Es ist vor allem ein Autorinnen bezogenes Projektmanagement. Sandra betreut ca. 20 Autorinnen. Das Lektorat hat Schnittstellen zu allen Abteilungen des Verlags: z.B. Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Recht. Ein Submissionboard entscheidet über eingeschickte Bücher, ob diese vom Verlag zur Veröffentlichung angenommen werden. Zuvor wählt Gerth aus, welche Bücher überhaupt ins Board gelangen. Gerth beschrieb mehrere Aufgaben die im Lektorat anfallen, z. B. das Content Development bei dem die Kapitelstruktur geprüft wird und ob die Figuren stimmig sind oder nicht. Beim Line-Editoring werden zeilenweise Fehler im Text gesucht. Die Arbeit im Lektorat beinhaltet auch, ein Buch mit den Kosten zu kalkulieren: für Umschlaggestaltung, Bezahlung an Amazon, Mehrwertsteuer, Buchdruck (bei Printversion) und Honorar für die Autorin.

Kann Lektorin als Beruf gelernt werden?

Das Lektorat sei kein klassischer Ausbildungsberuf. Im Ylva-Verlag funktioniere es nach learning by doing. Es gäbe viele Quereinsteigerinnen im Beruf. Andere Wege zum Berufseinstieg sei ein Studium (meist Germanistik), dann 2 Jahre Volontariat in einem Verlag. Voraussetzung um den Beruf auszuüben, sei Organisationstalent, das Besitzen von einem guten Zeitmanagement und Kommunikationsfähigkeit. Diplomatie und Geduld sei sehr hilfreich. Autorinnen seien nicht immer die einfachsten Menschen.

Buchveröffentlichung

15% der Bücher werden als Print verkauft, der Rest als E-Books. Der Verlag hat für Print on Demand einen Vertragsparter in Großbritannien der einen guten Standard böte. Sie sind am Überlegen auch Hörbucher herauszubringen.

Verlagsprogramm: Unterhaltungsliteratur

Zum Verlagsprogramm teilte uns Gerth mit, dass das amerikanische Publikum am liebsten Liebesromanzen hätte, die in der Gegenwart spielen. Sie seien vor allem Unterhaltungsleserinnen. Bei den für den deutschsprachigen Markt veröffentlichten Bücher dürfe der Inhalt auch ernster sein.

Resümee

Ich fand es faszinierend, wie Sandra Gerth von all den Bereichen eines großen Unternehmens wie einem Verlag sprach. Mir war dabei bewusst, dass Vieles an Arbeit noch in Personalunion stattfinden wird. Den Hinweis mit der ehrlichen Bezahlung und den Verträgen fand ich spannend. Gibt es in Deutschland doch dieses ausgeklügelte Verlagsrecht, bei dem die Autorin schon mal schnell alle Rechte an den Verlag abtritt und sich so in langjährige Abhängigkeit von einem Verlag begibt. Ihr Tipp war deshalb, frau sollte sich rechtlich beraten lassen, um nicht Knebelverträge zu unterzeichnen. Ich nahm es als Lob für den Lesbenliteratursalon, wie begeistert sich Gerth von den interessierten Fragen der Frauen zeigte. Ein Lob, das wir auch gerne für den fesselnden Vortrag an Sandra Gerth zurückgaben. Und so bleibt abschließend festzuhalten: Es war eine schöne, informative und unterhaltsame Veranstaltung an diesem Sonntagnachmittag im Dezember.
 
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Verlagsgeschichte des Ylva-Verlags
Astrid Ohletz wollte 2011 einen selbstgeschriebenen Roman veröffentlichen und entschied sich, dafür einen eigenen Verlag zu gründen. Recht bald kamen andere Autorinnen auf sie zu und baten sie, auch ihre Bücher zu verlegen. So kam es, dass Astrid Ohletz dann zur Verlegerin wurde und heute kaum noch Zeit hat, selbst Bücher zu schreiben.
Über Sandra Gerth
Sandra Gerth hat vor ihrem Lektoratsberuf als Psychologin gearbeitet. Sie schreibt selbst auch Bücher (herausgegeben sind bisher 12 in englischer Sprache, 6 in deutscher Sprache und 2 Sachbücher) und ist Cheflektorin im englischen Bereich des Ylva-Verlags. Sandra Gerth schreibt schon seit längerer Zeit. Um sich mit anderen Autorinnen im Netz auszutauschen, suchte sie nach einem Schreibforum. Fand jedoch nur welche im englisch-sprachigen Bereich. Das von ihr genutzte Pseudonym JAE war der Name einer Figur, die sie mochte und entschied sich, diesen Namen als ihren Autorinnennamen zu verwenden, auch um nicht in Interessenkonflikt mit ihrem damaligen Arbeitgeber zu geraten. JAE schreibt auf Englisch, weil sie die Sprache mag. Da dieses Pseudonym bereits etabliert war, entschied sie sich, es auch beim Ylva-Verlag als Arbeitgeberin beizubehalten. Sie ist nun seit zwei Jahren Vollzeitautorin. Ihre englischsprachigen Bücher übersetzt sie für den deutschen Markt selber.

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